Gemeinsam gegen die KriseCarola Morgenstern-Meyer und Henning Fastrich im Interview zu aktuell wichtigen Themen

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Gemeinsam gegen die größte Krise des olympischen Sports

Carola Morgenstern-Meyer und Henning Fastrich im Interview zu aktuell wichtigen Themen

26.01.2021 - Im gemeinsamen Interview mit Uli Meyer und Christoph Plass, den Chefredakteuren der DHZ und von hockey.de, beleuchten DHB-Präsidentin Carola Morgenstern-Meyer und Vize-Präsident Henning Fastrich, mit dem Morgenstern-Meyer beim Bundestag im Mai in Berlin sich als Doppelspitze zur Wiederwahl stellen möchte, aktuelle Themen des DHB, wie die Verbandsarbeit in der Pandemie, den Abschied von Generalsekretär Heiko von Glahn und die Hoffnung auf Olympia.

Ihr beiden habt Anfang Januar bekannt gegeben, zum Bundestag 2021 als Doppelspitze des Verbandes antreten zu wollen. Ist das im deutschen Sport nicht eine ungewöhnliche Konstellation?
Carola Morgenstern-Meyer: „Das mag tatsächlich ungewöhnlich sein. Wir glauben aber, dass es in der aktuellen Situation genau die richtige Lösung ist. Der olympische Sport erlebt, wie die meisten Bereiche unserer Gesellschaft, durch die Pandemie eine nie dagewesene Krise. Den damit verbundenen Herausforderungen müssen sich ja nicht nur das IOC und der DOSB stellen, sondern alle Fachverbände haben ein riesiges Paket zu schultern. Diese Last im Ehrenamt auf mehrere Schultern zu verteilen, erscheint uns absolut sinnvoll. Zudem bringen wir beide ganz unterschiedliche Qualitäten mit, die sich für die Verbandsführung ideal ergänzen. Henning ist selbst ehemaliger Nationalspieler und hat durch seinen beruflichen Werdegang Management-Knowhow und ein großes Netzwerk in der Wirtschaft. Ich verfüge über langjährige Kontakte ins internationale Hockey, zur EHF und FIH, und habe durch meine Teammanager-Laufbahn auch zu anderen internationalen Verbänden einen guten Draht. Beides werden wir sicher gut brauchen können in Zukunft.“

Jetzt ist eine Doppelspitze ja aber in der Satzung des DHB nicht vorgesehen...
Henning Fastrich: „Das stimmt! Wir glauben aber fest daran, dass unsere Argumente die Landesverbände und Vereine überzeugen werden, diesen Schritt mitzugehen und die dafür nötige Satzungsänderung auf dem Bundestag zu erlauben. Am Freitag ist eine Sitzung des Bundesrates, auf dem wir sowohl über die Ausgliederung der Bundesliga wie auch die Idee der Doppelspitze mit den Landesverbandsvertretern reden. Für beides brauchen wir am Ende die Zustimmung zur Satzungsänderung auf dem Bundestag im Mai.“
Carola Morgenstern-Meyer: „Bislang haben wir zur Idee der Doppelspitze tatsächlich auch ausschließlich positive Resonanz bekommen. Die Landesverbände und Vereine erleben die ungeheure Belastung durch die Pandemie schließlich genauso. Zudem geht es ja nicht darum, für immer eine Doppelspitze beim DHB zu etablieren, sondern dies als eine mögliche Variante der Verbandsführung gerade in solch schwierigen Zeiten zu erlauben.“

Tatsächlich ist zurzeit jeder von der Pandemie betroffen, aber wie massiv wirkt sie sich denn wirklich auf die Arbeit des DHB aus?
Carola Morgenstern-Meyer: „Sie schlägt sich in alle Bereiche durch. Vom Jugend-Spielverkehr, der komplett zum Erliegen gekommen ist, bis zu den Olympiateams, von der Bundesligaplanung bis zur Sponsorensuche. Es ist alles massiv von der Pandemie beeinträchtigt. Da auch die Arbeitszeiten und -bedingungen sich für alle Haupt- und EhrenamtlerInnen durch die verstärkte Homeoffice-Nutzung stark verändert haben, sitzen wir teilweise bis abends spät in Video-Calls, um in der Verbandsarbeit am Ball bleiben zu können. Schaut man auf unsere Amtszeit, hatten wir gerade mal neun Monate, bevor die Pandemie alles verändert hat. In der Zeit haben wir viel in die Bestandsaufnahme investieren müssen. Als wir Mitte Januar 2020 endlich die neu geschaffene Stelle des Generalsekretärs besetzen konnten, hatte dieser nur wenige Wochen, ehe er in großen Teilen als Krisenmanager die Pandemie zu bewältigen hatte.“

Was sagt Ihr denen, die behaupten, dass dem DHB der plötzliche Abschied seines Generalsekretärs aus privaten Gründen sogar ganz recht kommt, weil man diese hauptamtliche Stelle in Zeiten schwieriger Finanzen auf Dauer ohnehin einsparen müsse?
Henning Fastrich: „Unsere strategische Ausrichtung besagt, dass wir den DHB in die Moderne führen und das Hauptamt stärken wollen. Die Besetzung der Funktion des Generalsekretärs ist strategisch gewollt, da wir nur mit einer starken Position im Vorstand die Transformation in eine strukturelle Veränderung schaffen können. Die Veränderungen in den Organisationsstrukturen und die personellen Veränderungen im Leistungssport zeigen die ersten positiven Veränderungen. Gerade die finanziellen Herausforderungen, die alle Sportverbände in Zeiten der Pandemie schultern müssen, erfordern starke Persönlichkeiten und neue Strukturen in den Verbänden. Wir sind aufgefordert, sowohl auf der Einnahmeseite unsere Anstrengungen zu erhöhen, aber auch durch ein strenges Kostenmanagement gestärkt aus dieser Zeit herauszugehen. Da ist es für uns keine Zielsetzung, bei den Personalkosten zu sparen, sondern vielmehr die Mannschaft zu stärken und ein verändertes Zusammenarbeiten zu etablieren.“

Vor dem Amtsantritt von Heiko von Glahn gab es im DHB auch eine längere Zeit ohne Generalsekretär. Überlegt man, in diese Konstellation jetzt wieder zurückzukehren? Oder braucht es die Besetzung zwingend, um gewisse inhaltliche Zuständigkeiten personell abdecken zu können?
Carola Morgenstern-Meyer: „Ein starker Vorstand bleibt weiterhin ein wichtiger Pfeiler in unserer strategischen Ausrichtung. Ja, neben dem Sportdirektor brauchen wir eine weitere starke Besetzung, um neben den Belangen im Sport auch die Themen Vermarktung und Verwaltung für die Zukunft zu stärken. Hier werden wir in Kürze eine Lösung präsentieren, die im Einklang mit unseren strategischen Zielen steht.

Falls die Stelle des Generalsekretärs wieder ausgeschrieben wird, wie soll interimsmäßig die entstandene Lücke aufgefangen werden?
Henning Fastrich: „Der DHB verfügt über ein tolles Team, das auch vor der Besetzung der Funktion des Generalsekretärs erfolgreich zusammengearbeitet hat. Das Team wird ergänzt um die vielen ehrenamtlichen Personen, sodass eine möglichst reibungslose Bearbeitung der aktuellen Projekte und Aufgaben sichergestellt werden kann. Wir haben unmittelbar begonnen, Gespräche für Alternativbesetzungen zu führen. Wie Carola schon sagte, gehen wir davon aus, dass wir über die Veränderungen bereits kurzfristig berichten können. Priorität hat für uns, dass sich das Team Leistungssport aber in der nächsten Zeit ausschließlich mit dem wichtigen Thema Tokio 2021 beschäftigen kann. Hierzu haben wir mit der Verpflichtung von Dr. Christoph Menke-Salz einen sehr guten Schritt gemacht.“

Wie gut wird der DHB denn darüber informiert, ob Olympia wirklich stattfindet? Da ist die Nachrichtenlage in den Medien ja durchaus kontrovers...
Carola Morgenstern-Meyer: „Wir halten uns da in erster Linie an die Nachrichten vom DOSB. Und der Informationsfluss von dort ist wirklich sehr gut. Es gibt regelmäßige Updates, über die wir auf dem Laufenden gehalten werden. Japan tut sehr viel dafür, dass die Athleten bei den Spielen gut geschützt sein werden. Auch im regelmäßigen Austausch mit dem Weltverband, der derzeit ebenfalls ausschließlich in Video-Calls stattfindet, spielt Olympia als Thema natürlich immer eine Rolle.“

Was sind neben Olympia die wichtigsten Ziele in der näheren Zukunft?
Henning Fastrich: „Wir müssen, sobald dies möglich ist, dringend unsere Aktiven wieder in den Sport bekommen. Der gesundheitliche Aspekt, den ja auch die entsprechende Initiative des DOSB, die wir dringend unterstützen, betont, ist in meinen Augen ganz wichtig. Sport stärkt das Immunsystem, hilft dem Körper bei der Abwehr von Krankheiten. Der organisierte Sport in Deutschland ist keineswegs Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Das gilt insbesondere für Sportarten, die nicht in beengten Räumen, sondern im Freien ausgeübt werden können. Unsere Vereine sind bereit, mit ausgeklügelten Hygienekonzepten, die schon im Frühjahr ihre Tauglichkeit bewiesen haben.“
Carola Morgenstern-Meyer: „Und nicht nur das! Bei dem von der Sportjugend und Sportentwicklung initiierten Digitalformat „Ecke, Schuss, Couch“ haben wir im Dezember gelernt, mit welch großartigen Projekten die Clubs ihre Mitglieder durch den Lockdown begleiten. Hier richteten sich digitale Angebote nicht nur an die Kinder, um diese regelmäßig in Bewegung zu halten, sondern zum Teil auch an deren Eltern, obwohl diese gar keine aktiven Clubmitglieder sind, oder an die Trainer, die ebenfalls eine schwere Zeit haben. Wir sind sehr stolz auf das, was unsere Vereine derzeit leisten! Und ich bin froh, dass wir unter anderem über „Ecke. Schuss, Couch“, was jetzt Ende des Monats fortgeführt wird, eine große Nähe zu unseren Vereinen haben. Und nicht zuletzt hoffen wir, unseren Sport wieder als so attraktiv präsentieren zu können, wie er ist, um mehr Sponsoren oder Mäzene und Spender für die DHB-Stiftung zu gewinnen.“

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