"Sehr positive Entwicklung"Interview mit den Bundestrainern Stefan Kermas und Jamilon Mülders vor den D&S Final Four

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Bundestrainer: "hockeyliga hat sich positiv entwickelt!"

Interview mit den Bundestrainern Stefan Kermas und Jamilon Mülders vor den D&S Final Four

25.05.2017 - Zwei Tage vor den D&S Final Four um die deutschen Meistertitel der Damen und Herren beim Mannheimer HC blicken die Bundestrainer auf die Deutsche Endrunde voraus. Jamilon Mülders (Damen) und Stefan Kermas (Herren) werden beide in Mannheim vor Ort sein und sich ihre Kandidaten für die bevorstehende WM-Qualifikation im Juli (im Rahmen der World League in Johannisburg/Südafrika) sowie die Europameisterschaften im August in Amsterdam anzuschauen.

Bei der Endrunde sind 17 A-Kaderspieler und 18 A-Kaderspielerinnen mit ihren Clubteams im Einsatz. Sie sind beide vor Ort. Welchen Stellenwert haben die Final Four denn für die anstehenden Nominierungen für Europameisterschaft und WM-Qualifikation?

Stefan Kermas: „Die Leistung mit der Clubmannschaft bei einer Endrunde ist kein direktes Nominierungskriterium in diesem Jahr, dafür liegt der nächste Lehrgang zeitlich zu dicht nach der Endrunde. Ich habe in den letzten Wochen viele Bundesligaspiele besucht, um zu sehen, wie die A-Kader-Kandidaten dort in Erscheinung treten. Das wichtigste Kriterium für mich ist, welche Leistung sie im Nationalteam abrufen. Interessant ist dabei aber natürlich schon, wer die Spieler sind, die in den kommenden Partien den Unterschied machen können. Starke Leistungen fallen hier natürlich immer auf, egal ob von aktuellen Kaderspielern oder auch anderen.“
Jamilon Mülders: „Grundsätzlich zählt die Leistung bei der Nationalmannschaft, ihre dortige Rolle und Potenziale. Das kann natürlich von der im Club abweichen und daher gucke ich mir die Leistung sachlich distanziert an. Durch den Zeitpunkt der Endrunde bekommt sie eine andere Bedeutung als zum Beispiel im letzten Jahr. Jetzt stehen wir nach Olympia an einem Neuanfang, der Kader formiert sich erst und dann ist es bei all den neuen Leuten schon spannend zu sehen, wie sie unter dem Stress einer Endrunde ihre Leistung entfalten können.“

Jetzt setzen die Trainer der Bundesligisten oft Nationalspieler ganz anders ein als Sie. Wie passt das in Ihr Konzept?

Stefan Kermas: „Es ist völlig normal, dass Clubtrainer ihre eigene Sicht auf die Spieler haben. Für mich ist es auch eine Bereicherung zu sehen, wie die Spieler auf anderen Positionen agieren. Das erweitert auch meinen Horizont als Bundestrainer! Oft ist es ja aber so, dass die Positionen, die Nationalspieler in ihren Vereinen bekleiden, im Nationalteam von anderen bereits besetzt sind, die dort eventuell noch mehr Qualität haben. Insgesamt geht es immer darum Spieler nach ihren größten Stärken und Nutzen für ihre Mannschaft einzusetzen. Dies kann zwischen Verein und Nationalteam im Einzelfall variieren. Dies ist aber nicht schlimm und spricht letztlich für die Flexibilität starker Spieler.“

Und wie sieht es mit der Möglichkeit des Quereinstiegs aus, wenn man in Liga und bei Endrunden als Nicht-Kaderspielerin immer wieder auffällig ist?

Jamilon Mülders: „Es ist leider so, dass eine gute Bundesligaspielerin noch lange keine gute A-Kaderspielerin ist. Wir haben es seit 2012 immer wieder erlebt, dass starke Club-Spielerinnen auf Empfehlung ihrer Trainer oder durch Beobachtungen bei uns oder der U21 auf Lehrgängen waren, sich aber letztlich nicht durchsetzen konnten. Der Sprung ist dann doch sehr groß und größer als von manchen vermutet. Es ist etwas anderes, sein Potenzial unter dem Stress eines Lehrgangs oder Länderspiels und im Kontext der internationalen Anforderungen in Leistung umzuwandeln, als nur am Wochenende in der Bundesliga Leistung zu bringen. Gerade auf den Schlüsselpositionen der DANAS gibt es einen großen Unterschied zwischen Bundesliga und internationalem Hockey. Der Nationalspieler wird halt aus einem Konglomerat an Leistungsfaktoren auf und neben dem Platz entwickelt und diese werden oft sehr unterschätzt. Nationalspieler sein, ist halt nicht nur ein "Nice to have" – es ist eine Lebenseinstellung und innere Überzeugung vor allem dann, wenn es nicht um Medaillen und sonnige Situationen geht und wenn es mal nicht so läuft, wie eigentlich gewünscht.“

Wie sehen Sie denn die Entwicklung in den Bundesligen?

Jamilon Mülders: „Sehr positiv! Das macht sich nicht nur am sichtbar höheren Tempo fest, sondern auch darin, dass wir beim Großteil eine taktisch ansprechende und mutige Entwicklung vorfinden und die Qualität in den Reihen der Trainer und Anzahl der Mitarbeiter ebenso gestiegen ist. Die Clubs und die Stützpunkte haben im Bereich Athletik eine richtig gute Arbeit geleistet.“
Stefan Kermas: „Ich habe bereits nach Olympia 2008 für mich wahrgenommen, dass viel internationaler Einfluss in die Liga gekommen ist. Das haben zuerst die Nationalspieler stark vorangetrieben, indem sie taktische Dinge und bestimmte Vokabeln aus dem Nationalteam als Führungsspieler in ihre Vereinsteams getragen haben. Genauso tun dies auch die Clubtrainer, die beim DHB gut vernetzt sind und über stets neue Blickwinkel auf das Spiel Veränderungen erkennen und vorantreiben. Das führt zu vielen Weiterentwicklungen und Anpassungen. Inzwischen sieht man mitunter sehr verschiedene und mutige Erfolgs-Strategien in der Bundesliga – das ist super! So wurden zum Beispiel in jüngerer Vergangenheit einige neue Defensivprinzipien ausprobiert. Es kann insgesamt für die Liga, die Spieler und die Nationalteams nur positiv sein, sich neuen Dingen zu öffnen und Innovationen mutig voran zu treiben!“

Die internationalen Einflüsse kommen aber überwiegend durch deutsche Spieler und Trainer, die ihre Nationalmannschaftserfahrungen in den Club mitnehmen. Insgesamt gibt es ja in der Liga nicht allzu viele ausländische Spieler…“

Stefan Kermas: „Was ich als Bundestrainer natürlich als sehr positiv sehe, weil unsere Talente dadurch große Chancen haben, sich früh in der Liga zu beweisen und ihre Leistung unter Spielpraxis weiter zu entwickeln. Das hat ja auch viel mit Vereinsidentität zu tun, jungen Spielern früh Verantwortung bei den Erwachsenen zu geben. Man muss auch immer bedenken, dass die Verpflichtung von ausländischen Stars für die Clubs einen großen Aufwand bedeuten, der sich nicht allein im Wirtschaftlichen niederschlägt, sondern auch soziale, logistische und integrative Aspekte hat. Dennoch ist es auf der anderen Seite auch befruchtend, wenn Clubs sich trotz dieses Aufwands dazu entschließen, denn internationale Stars wie Körper, Peillat, früher Kemppermann und de Nooijer befruchten die Liga noch einmal auf eine andere Weise, die auch zu einer Weiterentwicklung führt.“

Wie finden Sie die erstmalige Einführung des Videobeweises bei dieser Endrunde?

Jamilon Mülders: „Super! Denn damit nehmen wir die Schiedsrichter effektiv aus der Schusslinie. Ich hoffe, dass diese das auch als Gewinn begreifen, denn international sehen die Unparteiischen den Einsatz des Videoschiedsrichters auch nicht als Kritik an ihrer eigenen Urteilsfähigkeit, sondern als unterstützendes Hilfsmittel. Damit können die Schiedsrichter ihre Leistung auch gut weiterentwickeln.“

Im Damenfeld ist die Besetzung der Halbfinalisten mit Nationalspielern recht ausgeglichen. Ist bei der großen Anzahl von Nationalspielern im Herren-Klassement Köln mit weitem Abstand Titelanwärter?

Stefan Kermas: „Das Schöne an der Endrunde ist, dass sich wirklich die vier Teams qualifiziert haben, die über die Saison gesehen die besten waren. Klar, hat Köln die höchste Qualität im Kader gemessen an der Anzahl ihrer Nationalspieler. Aber bei einem Final Four kommen noch ganz andere Aspekte zum Tragen, wie die Tagesform, das Momentum einzelner Szenen oder womöglich auch die Fan-Unterstützung. Jedes der vier Herrenteams hat über seinen eigenen Stil und hohe Leidenschaft seine Chance, erfolgreich am Wochenende seine Geschichte zu schreiben. Da ist nichts ohne gegnerische Widerstände planbar und jeder einzelne muss immer wieder seine Qualität auch erst einmal auf den Platz bringen.“

Alle Informationen zur Endrunde:

www.hockeyfinalfour.de

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