Abschied in Rio: Das ist halt Mo!Moritz Fürste beendete mit der Bronzemedaille von Rio seine internationale Karriere

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Abschied in Rio: Das ist halt Mo!

Moritz Fürste beendete mit der Bronzemedaille von Rio seine internationale Karriere

Es war ein Abschied auf selbstgewählter Bühne: Am Donnerstag vor ein paar Millionen Fernsehzuschauern. Bei den Olympischen Spielen in Rio. Im Entscheidungsspiel um Bronze. Mit dem ewigen Klassiker gegen die Niederlande. Undenkbar, dass Moritz Fürste seine lange, mit unzähligen Erfolgen gekrönte Nationalmannschaftskarriere anders hätte beenden können. Und ebenso undenkbar, dass es hätte mit einem Misserfolg enden können.

Der Kapitän der Rio-Mannschaft hatte es so gewollt. Genauso! Per Facebook hatte er es der Welt verkündet – zwei Stunden vor Anpfiff des kleinen Finales in Rio. „11 Jahre, 291 Länderspiele, unendliche Momente, Emotionen und Erfahrungen, Freundschaften, Siege und Niederlagen. All das durfte ich in meiner Hockeykarriere erleben. Heute werde ich das letzte Mal im Nationaltrikot auflaufen...“, so beginnt die Ankündigung seines Abtritts. Warum zu dem Zeitpunkt, warum vor dem Spiel, das ja auch hätte verloren gehen können? Warum, ohne Trainer, Teammanagement oder seinem Team vorher etwas zu sagen? Die Antwort auf diese Fragen lautet so, wie sie Mitspieler, Trainer und Manager eigentlich immer auf die Warum-Frage im Zusammenhang mit Moritz Fürste gegeben haben: „Das ist halt Mo!“
Der 31-jährige Hamburger ist eine seltene Spezies auf dem Hockeyplatz – ein Individualist unter Teamplayern. Er selbst schreibt in seinem Abschieds-Post: „Ich danke allen, mit denen ich die Ehre hatte zusammenspielen zu dürfen. Dafür, dass ihr mich, meine Art und mein Ego ertragen habt.“ Und doch sind es genau dieses starke Ego, diese Extrovertiertheit, der Genius und der Führungswille, die ganz großen Anteil daran hatten, dass die Herren-Nationalmannschaft in den elf Jahren zur erfolgreichsten Teamsportmannschaft Deutschlands wurde.
Wer ihn nicht mag, legt ihm seine Attitüde auf dem Platz als Arroganz aus. Das hat Fürste immer bewusst in Kauf genommen, weil ihn die Szenen, in denen er mit dem Publikum interagieren konnte, stets gepusht haben. Das hat ihn bei allen großen Turnieren in Deutschland und nicht zuletzt bei seinen Gastspielen in Indien zum Publikumsliebling werden lassen. Diese unberechenbare Art, mit der Mo Fürste nie wirklich zu 100 Prozent in ein Raster gepasst hat, die Bernhard Peters gern mit einem Augenrollen vom „Verrückten“ haben sprechen lassen und auch Markus Weise so manches graue Haar beschert haben, hat ihm doch nie wirklich jemand übelnehmen können. „Das ist halt Mo!“
Wenn der inzwischen Ehemann und Vater einer süßen Tochter dann vor einem stand, mit spitzbübischem Lächeln und leichtem Schulterzucken äußerte: „Warum? War doch genau richtig so!“, dann wusste man, warum wahrscheinlich auch Mutter Nicola, die Moritz‘ Karriere als guter Geist immer förderte und begleitete, dem Charmeur selten etwas abschlagen konnte. Das ist die zweite Seite des Hockeystars Moritz Fürste. Er kommuniziert oft viel zu viel mit den Schiedsrichtern, aber zumeist auf so charmante Art und Weise, dass er auch dort eine hohe Anerkennung genießt. (Er würde jetzt sagen: „Und weil ich immer Recht habe!“)
Und auch bei Gegenspielern hatte der zuletzt vom Spielmacher zum Abwehrchef umfunktionierte Uhlenhorster nie Probleme. Denn bei aller gelegentlicher Arroganz im Zweikampf ist Fürste ein extrem fairer Spieler, war oft der Erste, der sich bei Verletzungen erkundigte und zollte Respekt und Anerkennung für gute Gegnerleistung, wenn ein Spiel verloren ging. Im Gegenteil: Wenn er eines hasste, war es das Schönreden einer eigenen schlechten Leistung. Unfairness passt generell nicht in sein Weltbild, was auch dazu führt, dass Moritz Fürste immer und offen seine Meinung sagt. Klar und deutlich.
Auch da liebt er die große Bühne – und sie liebt ihn. Der Auftritt in Frankfurt beim Entscheid, mit welcher deutschen Bewerberstadt der DOSB in die internationale Olympiabewerbung für 2024 gehen sollte, brachte ihm ebensolche Anerkennung wie der – am Ende aussichtslose – öffentliche Kampf für den Hamburger DEL-Club Freezers. Er ist unglaublich vernetzt im olympischen Sport, jeder kennt ihn – von der Fechterin bis zum Kanuten, was auch daran liegt, dass der Hamburger die Klaviatur der Sozialen Netzwerke virtuos bedient. Die einzigen Hockeyspieler, der mal einen ähnlichen Bekanntheitsgrad über den Hockeysport hinaus hatten, waren Carsten Fischer und Stefan Blöcher – aber das ist eigentlich nicht vergleichbar.
Hockey ist das eine. Da ist Fürste Doppel-Olympiasieger, Doppel-Weltmeister in Feld und Halle, Welthockeyspieler, Mehrfach-Europameister und, und, und. Doch der nun Bronzemedaillen-Gewinner von Rio ist auch persönliches Mitglied des DOSB, Laureus-Botschafter, Mitglied des Athletes Committee im Weltverband FIH und inzwischen Direktor Sportmarketing der Agentur Thjnk, Ehemann, Familienvater.
Das reicht ja eigentlich für drei Leben, und so ist es auch eine logische Konsequenz, dass der Kapitän nun von Bord gegangen ist – auf seine ganz eigene Art, mit dem bereits ausgelegten Landungssteg während das Schiff noch in den Hafen einlief. Ja, und warum nun eigentlich nicht wie Lahm oder Schweinsteiger in Ruhe nach einem Turnier? Völlig klar: Fußballer haben täglich ihre Bühne für so etwas, bekommen die Aufmerksamkeit, auch wenn sie solch eine Entscheidung an einem Feiertag morgens um 6 Uhr verkünden. Moritz Fürste wählte die einzige im Hockey vergleichbare Szenerie. Den Finaltag von Olympia! „Das ist halt Mo!“

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