WU21: Konstanz fehlt nochWU21-Bundestrainer Bouchouchi spricht über mentale Herausforderungen und Roadmap zur WM im Dezember

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„Fehlen ein paar Prozent Einstellung, wird es gegen jeden Gegner schwer“

WU21-Bundestrainer Bouchouchi spricht über mentale Herausforderungen und Roadmap zur WM im Dezember

12.07.2021 – Ungeschlagen kehren die deutschen Juniorinnen, erweitert um ein paar U23-Spielerinen, von ihrem Vorbereitungslehrgang im spanischen Terrassa (4. bis 11. Juli 2021) zurück. Beim dort stattfindenden Fünf-Nationen-Turnier siegte die deutsche Auswahl zuerst gegen Belgien (1:0), um dann dreimal unentschieden zu spielen (2:2 gegen Spanien, 2:2 gegen Irland, 3:3 gegen die Niederlande). In der Gesamtwertung mussten die deutschen Juniorinnen nur den Niederländerinnen den Vortritt lassen. Mit U21-Bundestrainer Akim Bouchouchi sprachen wir zurück in Deutschland über die Herausforderungen, vor denen das Team noch steht, das Ende November in Potchefstroom (Südafrika) beim FIH Women‘s Junior World Cup 2021 starten soll.

Akim Bouchouchi, es hat im Vorfeld kleine Irritationen um den Juniorinnen-Lehrgang im spanischen Terrassa gegeben. Können Sie das noch mal aufklären?
Akim Bouchouchi: Ursprünglich sollte das Turnier, das diesen Lehrgang begleitete, schon 2020 im irischen Dublin stattfinden – mit einem deutlich internationaleren Teilnehmerfeld. Und es sollte ein Turnier des Damen-Perspektivkaders werden. Coronabedingt wurde das Turnier damals auf 2021 verlegt. Und bis vor etwa vier Wochen war noch völlig unklar, ob und wo das Turnier stattfinden kann, da in Irland aktuell eine Quarantänepflicht für alle Einreisenden gilt. Nachdem fünf europäischen Nationen für das Turnier zugesagt hatten, erklärte sich auch Spanien zur Ausrichtung bereit. Daher sind wir nach Terrassa mit einer U23, und keiner reinen U21, gereist. Die 2002er-Jahrgänge, die sich gerade auf die U19-EM später in Valencia vorbereiten, waren nicht dabei, dafür eine Reihe Damen-Perspektivspielerinnen im U23-Alter.

Nun sind es Tests gegen Belgien, Spanien, Irland und die Niederlande geworden. Was nehmen Sie aus diesem Lehrgang und den Spielen mit?
Es war schon zu erkennen, dass bestimmte Automatismen noch nicht ganz funktionierten. Da müssen wir uns noch besser abstimmen. Im Spiel fehlte uns noch oft die Handlungsschnelligkeit. Daher hat das Team noch nicht so sauber miteinander funktioniert, was wir besonders in Stressphasen sehen konnten. Zudem sind wir kurzfristig angereist, ein paar Spielerinnen hatten zuvor längere Pausen. Da ist uns auch nicht immer gelungen, die Zweikämpfe sauber zu führen. Nicht nur vom Technischen her, sondern auch vom Kopf.

Das Mentale schien in den Partien überhaupt häufig eine Rolle zu spielen, die Konstanz fehlte in vielen Momenten.
Das haben wir tatsächlich grundsätzlich feststellen müssen: Wenn ein paar Prozent in der Einstellung fehlen, wird es gegen jeden Gegner schwer. Das haben wir gegen Belgien gar nicht hinbekommen, gegen Spanien war nach der ersten Halbzeit der Flow weg, gegen Irland dann anders herum. Das Spiel gegen die Niederlande war sicherlich das konstanteste. Da war endlich viel Willen drin und man merkte, dass der Ball besser lief und am Ende auch ganz gutes Hockey gespielt wurde. Es wäre schön gewesen, wenn wir auf Basis dieser mentalen Einstellung in das Turnier gestartet wären.

Nun haben Sie das Turnier ohne Niederlage auf Platz zwei hinter den Niederlanden, denen Sie zum Abschluss noch ein 3:3 abtrotzen konnten, beendet. Wie bewerten Sie die Leistungen?
Ungeschlagen aus dem Turnier gegangen zu sein – das war unser positives Fazit. Dadurch, dass wir mit einem älteren Team angetreten sind, war unser Anspruch klar, jedes Spiel zu gewinnen. Das mussten wir nach dem Belgien-Spiel doch etwas zurückschrauben. Wir haben zwei Spiele gemacht, in denen wir einen Rückstand wieder aufholen konnten. Das ist einerseits positiv, weil wir die meisten Spiele gerade im letzten Viertel dominiert haben. Andererseits nervig, dass wir erst mit dem Rücken zur Wand stehen müssen, um zu performen. Darüber hinaus haben wir beim 3:3 gegen Holland, die Topmannschaft, gesehen, dass wir auch da mithalten können. Ich hätte die Partien gegen Spanien und Irland gerne gewonnen, aber am Ende geht es in einem Trainingsturnier nicht vorrangig um die Platzierung, sondern darum, Erfahrung zu sammeln. Zum Beispiel die Erkenntnis, dass es nicht von allein läuft und man auch etwas investieren muss.

Wo stehen die deutschen Juniorinnen nach diesem Turnier im europäischen und vielleicht auch im internationalen Vergleich?
Als wir vor drei Wochen gegen die Niederlande gespielt haben, waren die Spiele noch sehr pari. Die Niederländerinnen waren in einer deutlich schwächeren Verfassung und haben seitdem eine beeindruckende Entwicklung gemacht. Sicherlich waren die Niederländerinnen in Terrassa das Maß der Dinge. Aber das lässt sich nicht mit uns vergleichen, wir waren mit einer anderen Truppe hier. Auch Spanien und Belgien haben das Turnier genutzt, um reinzukommen, das zeigen deren schwankende Ergebnisse. Daher fällt mir eine Bewertung schwer. Insgesamt sind die Mädchenmannschaften noch nicht so weit wie die Jungs.
International könnte ich nur mutmaßen: Erst im August werden die Pan-American-, die Asien- und die Ozeanien-Qualifiers ausgespielt. Von potentiellen Gegnern bei der WM haben wir kaum Bilder, haben nicht gegen sie gespielt. Nach den Qualifiers werden wir mehr sagen können.

Wie sieht denn die Roadmap bis zur Weltmeisterschaft im südafrikanischen Potchefstroom aus?
Aktuell kennen wir zwar den Termin der WM, die FIH wird aber erst im September genauere Informationen herausgeben. Dementsprechend tappen wir diesbezüglich etwas im Dunkel. Wir waren in Terrassa mit dem Kern der U21, ohne die U19. Das war eine Gelegenheit für die Mädels, reinzukommen und für uns, Überprüfungsgrundlagen zu schaffen. Nach der U19-EM benennen wir dann einen größeren Perspektivkader, der in die WM-Vorbereitung in Ludwigsburg vom 6. bis 11. August startet. Wir spielen dort noch einmal gegen Österreich, wollen da aber vor allem viel untereinander entwickeln. Dann haben wir während der Pro League der Damen Mitte Oktober eine Maßnahme mit Spielen gegen Belgien und planen zudem noch einen Lehrgang Anfang November in Spanien. Das passt klimatisch dann auch ganz gut zu Südafrika. Kurz vor der Abreise sind Mitte November noch Trainingsspiele gegen die Niederlande in Mannheim vereinbart.

Akim Bouchouchi, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Die Berichte zu den Spielen der weiblichen U21 im Rahmen des Terrassa-Lehrgangs:

(ao)

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