Rio: "Eindrücke sammeln!"Rio-Official Christian Deckenbrock im Interview mit hockey.de

DHC-Damen an Europas SpitzeEuroHockey Indoor Club Cup 2020, Den Haag (NED), Finale: hdm Den Haag (NED) – Düsseldorfer HC 2:4 (1:1)

Ausschreibung DHB-Bundestag 2021Gastverband oder -verein für 55. Vollversammlung im Mai 2021 gesucht

DHB sucht Ausrüster ab 2021DHB und Reece: Partnerschaft nach sechs Jahren auf Prüfstand / Für neue potenzielle Partner offen

····

Rio: "Eindrücke sammeln!"

Rio-Official Christian Deckenbrock im Interview mit hockey.de

Christian Deckenbrock ist als einer von drei Assistant Technical Delegates für das Olympische Hockey-Turnier der Herren mit in Rio de Janeiro. Im kurzen Interview mit hockey.de berichtet der 40-jährige Kölner, der in Brasilien seine ersten Olympischen Spiele als Turnier-Offizieller miterlebt, von seinen Aufgaben und vom Drumherum beim Abenteuer Rio!

Herr Deckenbrock, was können wir uns unter den Aufgaben eines Assistant Technical Delegates bei Olympia vorstellen?
Im Prinzip sind wir, Björn Isberg aus Schweden, Mathavan Devadas aus Singapur und ich, dafür da, um den Technical Delegate Jason McCracken aus Neuseeland zu unterstützen. Uns obliegt die ordnungsgemäße technische Durchführung des Turniers, wir müssen die Einhaltung der Turnierregularien sicherstellen. Wir sind die ersten Ansprechpartner für die Teammanager in vielen Belangen. Während des Hockeyspiels sind unsere Aufgaben, die nicht in den Verantwortungsbereich des Schiedsrichters fallen. Beginnen die Spiele pünktlich, hat jeder das richtige Trikot an, laufen die Auswechslungen richtig und bleibt auf der Trainerbank alles im sportlich fairen Rahmen, können wir zufrieden sein. Weil wir drei Leute auf dieser Position sind, betreue ich also jedes dritte Herren-Spiel hier in Rio. Dazu kommen sechs judges, die sich um die Zeitnahme und den Match Report kümmern.

Welche Besonderheiten hält so ein Olympisches Turnier im Vergleich zu anderen vor?
Das sind gar nicht so viele. Die meisten Regularien gelten für alle Turniere gleich. Anders sind vor allem die Vorgaben zur erlaubten Werbung. Die Anzahl und die Größe der Logos auf den einzelnen Kleidungsstücken und sonstigen Ausrüstungsgegenständen sind streng reglementiert, um die olympischen Sponsoren zu schützen. Neu ist auch, dass ein Torhüter, der auf dem Platz behandelt wird, unter Umständen für zwei Minuten den Platz verlassen muss. Zudem nutzen wir hier für die Erstellung des Spielberichts ein anderes technisches System als bei den sonstigen FIH-Turnieren.

Und wie läuft das Turnier aus Ihrer Sicht?
Sehr gut! Bislang gab es noch keine größeren Probleme, abgesehen von technischen Problemen bei den Hymnen in einem Deutschlandspiel. Das habe ich selbst gar nicht mitbekommen, sondern erst später im Internet gelesen. Insgesamt ist es schade, dass die Spiele hier nicht ausverkauft sind – nicht mal die mit dem brasilianischen Team. Aber die Zuschauer, die da sind, machen hervorragend Stimmung. Leider bringen unsere Aufgaben und die Tatsache, dass hier parallel auf zwei Plätzen gespielt wird, es mit sich, dass wir nicht alle Spiele sehen können. Ich konnte mir daher auch nicht alle deutschen Spiele ansehen.

Hatten Sie denn schon die Gelegenheit, sich auch bei anderen Sportarten einmal umzuschauen?
Gerade in der ersten Woche ist der Zeitplan doch recht eng. Nach Ankunft am vergangenen Mittwoch standen einige Briefings auf unserem Programm, zudem musste das gesamte Equipment der Mannschaften überprüft werden. Schließlich nahm die Einkleidung einige Zeit in Anspruch. Seit Samstag laufen jetzt die Spiele – und die Herren stehen hier jeden Tag auf dem Programm. Die Freizeit, die bleibt, haben wir bislang vor allem für Ausflüge genutzt. Bislang hat es daher leider nur zum Besuch einer Halbzeit in der benachbarten Halle, in der der Frauen-Basketball-Wettkampf ausgetragen wird, gereicht. Natürlich würde ich als Hobby-Basketballer auch gern mal die US-Herren in Aktion sehen, aber das wird eher schwierig. Am kommenden Samstag werde ich aber den ganzen Tag nutzen, um andere Sportveranstaltungen zu besuchen. Das Spiel der deutschen Handballer gegen Slowenien ist fest eingeplant, dann will ich zum letzten Wettkampftag der Schwimmer und – wenn es sich irgendwie einrichten lässt – noch zur Leichtathletik und zum Beachvolleyball. In der zweiten Turnierhälfte stehen zwar noch einige sehr wichtige Spiele an, insgesamt werden wir aber mehr Zeit haben, um weitere Eindrücke sammeln zu können. Anders als noch in London werden keine Platzierungsspiele um die Plätze 5 bis 12 mehr ausgetragen.

Wie empfinden Sie die Rahmenbedingungen in Rio für sich?
Die Apartments, in denen wir hier wohnen, sind ordentlich. Immer drei Offizielle teilen sich eine Wohnung, jeder mit eigenem Bad und einem vernünftigen Bett. Wenn ich etwas ändern könnte, dann wäre das die Lage unseres „Accomodation Village“. Es liegt doch recht weit draußen und wird militärisch abgeschirmt. Da muss man erst mal wegkommen. Die Wege, gerade ins Zentrum, sind weit. Es ist daher nicht möglich, abends spontan mal eben ins Restaurant zu gehen. Selbst manche Taxifahrer kennen das Areal hier auch gar nicht. Da kann man froh sein, wenn man einen portugiesisch sprechenden Kollegen dabei hat. Insgesamt ist das hier aber eine tolle Erfahrung. Ich habe schon als kleines Kind die Olympischen Spiele quasi aufgesogen. Bei den Jugendspielen in Singapur 2010 als Technical Delegate und 2012 bei den Spielen in London als Zuschauer habe ich erstmals dieses unbeschreibliche olympische Flair selbst erleben können. Es ist ein Traum wahr geworden, das hier live erleben zu können.

Welche Highlights gab es für Sie abseits des sportlichen Geschehens bislang?
Die Eröffnungsfeier war schon ein tolles Erlebnis! Dann hatten wir einen schönen Vormittag, als wir rauf zur beeindruckenden Cristo-Statue gefahren sind. Und schließlich hatten wir einen tollen Abend an der Copacabana. Dort sind wir zum Beispiel in ein Restaurant gekommen, in dem gerade eine große philippinische Delegation gefeiert hat. Im Mittelpunkt stand da die frisch gebackene Silbermedaillengewinnerin im Gewichtheben bis 53 Kilogramm, die gleich versucht hat, mich für ein Foto zu heben. Ganz hat sie sich dann aber nicht getraut, obwohl sie mich mit ihrer Finalleistung (200 kg) locker hätte stemmen können.

Hauptpartner

Premium-Partner

 

 

Pool-Partner