Leistungssport-InterviewKermas: „Siege sind ein wichtiger Treiber für die Entwicklung einer Erfolgskultur“

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Leistungssport-Interview

Kermas: „Siege sind ein wichtiger Treiber für die Entwicklung einer Erfolgskultur“

25.11.2016 - In einem gemeinsamen Interview geben die im DHB-Verantwortlichen im Bereich Herren-Leistungssport, die Bundestrainer Stefan Kermas, Valentin Altenburg, DHB-Vizepräsidentin Britta Becker sowie Sportdirektor Heino Knuf einen Überblick, wie sie sich die zukünftige Arbeit im Bereich der Talentförderung und -ausbildung sowie der Entwicklung weiterhin auf Welt-Spitzenniveau konkurrenzfähiger Mannschaften vorstellen.


Wie wollen Sie die Zusammenarbeit in der kommenden Zeit gestalten?

Altenburg: „Wir wollen so schnell wie möglich ganz nach oben und damit die Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre fortschreiben. Unser erklärtes Ziel ist es deshalb, mit den Hockey-Herren wieder Turniere zu gewinnen. Zeitnah und auch in Zukunft. Stefan wird sich auf den Erfolg der aktuellen Herrenmannschaft konzentrieren. Ich kümmere mich um den Erfolg in der Zukunft.“

Kermas: „Das Ziel lautet, einen verstärkten Überblick über unsere männlichen Top-Spieler zu erhalten, um Entwicklungen noch gezielter zu fördern und zu antizipieren. Wir wollen zusammen beziehungsweise teamübergreifend denken und Ergebnisse über eine größere Breite an Jungs in Konsequenzen umwandeln. Erfolge seien das Ergebnis richtiger Entscheidungen, habe ich mal gelesen. Das finde ich passend, und genau darauf kommt es im absoluten Spitzenbereich auch an. Für Entscheidungen benötigt man jedoch Wissen und muss die Kontexte verstehen; dies werden Vali und ich versuchen, im Tandem zu erfüllen.

Knuf: „Ich erwarte von den beiden Bundestrainern eine intensive Zusammenarbeit, die zu einer höheren Durchlässigkeit zwischen der Herren- und der Junioren-Nationalmannschaft führen soll. Das bedeutet ein hohes Maß an Austausch von Informationen im Bereich der Top-Talente und der Inhalte die gefordert sind.


Was sind die Hauptaufgaben, die vor Ihnen liegen, um 2020 in Tokio wieder eine konkurrenzfähige Mannschaft zu haben, die um die Medaillen mitspielen kann?

Kermas: „Das Wort ‚wieder‘ hätte ich gerne durch ‚weiterhin‘ ersetzt. Denn natürlich lautet das Ziel, bei den dicken Turnieren „da“ zu sein und gewinnen zu wollen. Aber die Jungs haben mit Bronze in Rio gezeigt, dass wir weiterhin ganz oben dran sind. Dies zu bestätigen und die Mannschaft nun in die nächste Phase ihrer personellen Entwicklung zu führen, wird die Kernaufgabe der nächsten ein bis zwei Jahre sein. Nebenbei wollen wir am Wegesrand alles mitnehmen an Erfolgen was geht. Denn, neben Augen öffnenden Dämpfern, sind vornehmlich Siege ein wichtiger Treiber für die Entwicklung einer Erfolgskultur.“

Knuf: „Die Erweiterung von wettkampfstabilen und erfolgreichen Spielsystemen. In den letzten Jahren haben immer mehr Nationen uns immer besser „ausgelesen“ und dadurch entsprechende taktische Gegenmaßnahmen entwickeln können. Zudem gilt es, aus dem großen Pool von Top-Talenten einen breiten, leistungsfähigen Kader zu entwickeln, um die Chance zu haben, bei den zunehmenden internationalen Wettkämpfe auch stetig auf dem Podium zu stehen.“


Inwieweit wird sich die Arbeit mit der neuen Leistungssport-Reform verändern? Wird es andere Schwerpunkte geben müssen?

Knuf: „Die Leistungssportreform bewertet jetzt deutlich mehr die Potenziale einer Sportart und weniger die vergangenen Erfolge. Diese Orientierung ist beim DHB schon immer die Kompassnadel für die Weiterentwicklung unseres Systems gewesen. Daher sind wir hier schon sehr gut aufgestellt. Wo wir aber in Zukunft noch mehr investieren werden, ist im Nachwuchsleistungssport, da hier naturgemäß die Potenziale liegen und diese noch besser entwickelt werden müssen. Die Leistungssportreform gibt uns hier die Möglichkeit, gemeinsam mit unseren Landesverbänden noch früher die Talente zu entwickeln.“


Verfügt das deutsche Hockey über genug Breite im Nachwuchsbereich, um mittel- und langfristig ganz oben mitspielen zu können?

Altenburg: „Die Qualität im Nachwuchs ist die Voraussetzung für den Erfolg in der Zukunft. Um auch zukünftig ganz oben mitspielen zu können, brauchen wir neben der angesprochenen Breite auch die Spitze im Nachwuchsbereich. Die aktuelle Qualität der Nachwuchsteams ist stark und wir arbeiten hart dafür, dass das auch in den nächsten Jahren so bleibt.“

Becker: „Das zwar ist nicht direkt mein Bereich, aber wenn man sich zum Beispiel die jetzigen U18-Herren ansieht, die 2015 und 2016 Europameister wurden, dann verfügen wir da schon über etliche starke Talente. Wichtig ist ja aber, daran kontinuierlich weiter zu arbeiten, damit in der Entwicklung von Top-Spielern keine Lücken entstehen.“

Knuf: „Ein eindeutiges Ja im männlichen Bereich. Der Pool an Talenten ist sowohl in der Breite als auch in der Spitze gut bis sehr gut. Es gilt aber, diese noch früher und noch intensiver auf die internationalen Anforderungen vorzubereiten.“


Wo sehen Sie die größten Probleme in der Nationalteamentwicklung in den kommenden Jahren?

Knuf: „Das größte Problem ist aus meiner Sicht der Spagat zwischen der schulischen und beruflichen Ausbildung und den Anforderungen des Leistungssports. Hier müssen wir weiter nach intelligenten Lösungen suchen, um unseren Spielern und Spielerinnen beides zu ermöglichen.

Becker: „Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem in Deutschland, was viel mit der Wertschätzung des Leistungssports zu tun hat. Deutschland müsste sich generell mehr zum Spitzensport bekennen. Wenn man zum Beispiel mal schaut, wie – fraglos mit absoluter Berechtigung – einzelne kulturelle Einrichtungen staatlich gefördert werden und was dagegen in den Sport investiert wird, dann muss man sich die Frage stellen, ob das dem Stellenwert des Sports in unserer Gesellschaft gerecht wird. Und auch an den inzwischen stark verschulten Universitäten wäre es nur richtig, wenn man den studierenden Leistungssportlern – so sie denn zum richtigen Zeitpunkt trotzdem vernünftige Leistungen im Studium bringen – mehr Zeit für die parallele Ausübung des Sports geben würde. Es darf einfach nicht sein, dass Spitzensportler sich ihr Studienfach nicht nach ihrem Haupt-Interesse, sondern danach aussuchen, wo sie am meisten Zeit für den Leistungssport haben. Gerade weil wir auch im Hockey immer stärker auf Gegner treffen die nahezu im Vollprofitum leben, wäre hier deutlich mehr Unterstützung vonnöten. Und das schaffen wir als Hockeysport nicht alleine. Es geht ja etlichen Sportarten genauso. Hier muss ein Schulterschluss für den olympischen Sport passieren.“


Welche Herausforderungen an der zukünftigen Aufgabe reizen Sie am meisten?

Kermas: „Da fallen mir spontan drei Bereiche ein. Dem hohen Eigen- und Fremdanspruch der deutschen Hockey-Historie gerecht zur werden. Unsere immer stärker werdende Bundesliga eng mit dem "System Nationalmannschaft“ zu vernetzen. Sowie drittens der zunehmenden weltweiten Professionalisierung im Spitzenhockey durch Detailarbeit und klugen Entscheidungen nicht nur Paroli zu bieten, sondern weiterhin eigene Erfolgsschlüssel zu schmieden. Dafür wird neben viel Denksport auch harte Arbeit mit den Teams notwendig sein.“

Altenburg: „Mich reizt die Herausforderung, Erfolg sowohl ‚hier und jetzt‘ als auch morgen wahrscheinlich zu machen. Einer von Stefan angesprochenen Schlüsseln zum Erfolg ist, dass unsere Top-Talente früher in der Weltspitze ankommen. Und dass unsere Ausnahmespieler Bedingungen vorfinden, die es ihnen erlauben, solange sie dafür brennen, für Deutschland zu spielen. Hierfür wird auch weiterhin die gesamte Hockeyfamilie gefragt sein!“


Wie wichtig ist und wird die Zusammenarbeit mit den Clubs gerade in Bezug auf die Ausweitung des internationalen Spielkalenders? Stichworte: Hockey Revolution, Home & Away-Serien.

Kermas: „Genau richtig, um diese Schlagworte wird es sich zukünftig drehen. Ohne zu sehr vorweg zu greifen, aber mir ist ein klarer Schulterschluss Bundesliga-Nationalmannschaft sehr wichtig. Nur wenn wir hier gemeinsame Sache machen, werden wir am Ende auch erfolgreiche Spieler und Teams sehen. Die kalendarischen Anforderungen werden nicht geringer, also geht es im Dialog darum zu schauen, was machbar, zumutbar und unbedingt notwendig ist. Da wir viele gute und erfahrene Kollegen im System haben, gehe ich von einer zielorientierten Zusammenarbeit aus. Hierauf freue ich mich im Wissen, dass dies trotzdem eine schwierige Aufgabe wird.“

Knuf: „Die Erfolge der Vergangenheit basieren unter anderem auf der sehr guten Zusammenarbeit mit den Clubs und auf die sehr gute Arbeit in den Clubs. Dies müssen wir in allen Bereichen erhalten und vor allem weiterentwickeln. Dies ist zwingend notwendig, wenn der DHB und die Vereine ihrer Verantwortung gegenüber den Athletinnen und Athleten nachkommen wollen.“

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