Interview mit dem Captain"Haben das Potenzial oben anzugreifen, aber es ist international so eng wie noch nie"

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Interview mit dem Captain

"Haben das Potenzial oben anzugreifen, aber es ist international so eng wie noch nie"

05.08.2019 - In zwölf Tagen startet in Antwerpen die Europameisterschaft der Damen und Herren. Die DHB-Herren gehen mit Mats Grambusch als neuem Kapitän in dieses Turnier, das auf dem Weg Richtung Olympische Spiele 2020 in Tokio ein wichtiger Meilenstein ist, auch wenn nur der neue Europameister sich direkt für Olympia qualifiziert und die Quali-Spiele im Spätherbst 2019 vermeiden kann. Wir haben mit Mats Grambusch über die aktuelle Situation des Teams, die Entwicklungen in der Mannschaft und die Erwartungen an das EM-Turnier gesprochen.

Mats, Du bist seit einigen Wochen neuer Captain der HONAMAS. Wie kam es dazu?
Mats Grambusch: „Nach Olympia 2016 waren Martin Häner, Florian Fuchs und ich im Führungsteam vertreten. Auch vorher gehörte ich schon zum Mannschaftsrat. Nun gab es die Neuwahl bei einem Lehrgang in Mönchengladbach, mit dem Ergebnis, dass ich Kapitän wurde und Martin Co-Captain ist.“

Es gibt also kein Führungsteam mehr?
Mats Grambusch: „Nein, aber hinter Martin und mir wird alles viel offener. Mehrere Leute sind bei uns in verschiedenen Themenbereichen aktiv. Die Verantwortung wurde auf mehr Schultern verteilt.“

Du giltst schon lange als jemand, der auf dem Platz viel kommuniziert...
Mats Grambusch (lacht): „Ja, und ich habe da sicherlich auch einen Entwicklungsprozess durchlaufen. Aber ich versuche, wenn ich merke, dass das Team es braucht, klare Kante zu zeigen und Ungerechtigkeiten anzusprechen. Ich denke, dass die Jungs auch von mir als Kapitän erwarten, dass ich sage, was ich denke. Und so oft liege ich da, glaube ich, auch nicht falsch.“

Führt das auch zu Spannungen mit Schiedsrichtern und Gegnern?
Mats Grambusch: „Mit gegnerischen Spielern habe ich selten Probleme, weil ich da auch gute Kontakte habe und mich mit vielen internationalen Spielern gut verstehe. Mit den Schiedsrichtern hat man nur auf dem Platz zu tun, die kennt man oft nicht so gut. Insofern kann es da ab und zu kontrovers zugehen. Aber ich halte auch nichts davon, von Beginn an viel zu kommentieren. Man muss die richtigen Situationen abpassen.“

Bist Du als Kapitän dann auch derjenige, der im Zweifel einen Videobeweis fordert?
Mats Grambusch: „Nein, das kann bei uns jeder machen, der sich sicher ist. Wir haben als Grundprinzip, sich schnell bei direkt nebenstehenden Mitspielern zu versichern, ob man richtig liegt. Der Videobeweis als Überprüfungsmittel macht im Hockey vieles deutlich entspannter.“

Das heißt, Du bist mit dem Videobeweis im Hockey zufrieden?
Mats Grambusch: „Optimal ist er auch bei uns noch nicht. Es gibt schon ab und an Entscheidungen, die – schaut man sich die Szene im Nachhinein an – nicht nachvollziehbar sind. Bei der DM-Endrunde hatten wir so eine Eckenentscheidung oder in der Pro League das Tor der Briten gegen uns beim 0:1, bei dem man klar sieht, dass der Ball außerhalb des Kreises getroffen wird, und der Treffer dann trotzdem zählt. Aber insgesamt sind wir mit dem Videobeweis schon viel weiter als andere Sportarten!“

Durch die Erfolge der HONAMAS in den letzten zwei Jahrzehnten sind die Hockeyfans verwöhnt, und es gibt Stimmen, die sagen, dass Euer Team – auch angesichts der großen Talente in seinen Reihen – mit den Top-Teams auf Augenhöhe spielen müsste...
Mats Grambusch: „Ich sehe uns aktuell nicht da ganz oben. Die Top Drei – Australien, Belgien und Holland – sind uns einen Schritt voraus. Ich sehe uns in der Gruppe dahinter, mit Großbritannien, Argentinien und Indien. Wir sind zurzeit Weltranglisten-Siebter, und die Weltrangliste lügt da auch nicht. Aber es ist richtig, dass wir das Potenzial haben, oben anzugreifen, aber das große Talent, was zweifellos da ist, wird noch nicht voll abgerufen. Man darf auch nicht verkennen, dass alle Teams, die vor uns liegen, unter Profi-Bedingungen leben und arbeiten. Wir sind leider in manchen Bereich nur semi-professionell unterwegs.“

Woran liegt es, dass Ihr noch nicht am Limit spielt?
Mats Grambusch: „Wir hatten ein schwieriges Jahr, weil wir – wegen Verletzungen und anderen Gründen – immer wieder rotieren und in anderen Konstellationen spielen mussten. Dadurch fehlten die Automatismen. Und wir brauchen für unser Spiel die Sicherheit in den Abläufen auf dem Platz. Hier in Antwerpen merken wir gerade, wie es sich von Trainingseinheit zu Trainingseinheit entwickelt. Man kann spüren, wie es besser wird, aber es war jetzt auch ein Muss, dass es passiert!“

Damit es kein neues 0:8 gegen Belgien gibt?
Mats Grambusch: „Man muss da differenzieren: Die Forderung, dass wir alle anderen Teams auf jeden Fall schlagen müssen, ist unverhältnismäßig. Aber das 0:8 gegen Belgien in der Pro League war ein No Go. Dass uns so etwas nicht wieder passiert, ist eine klare Forderung an uns selbst.“

Verspürt ihr viel Druck vor der EM, weil die Erwartungen in Hockeydeutschland so groß sind?
Mats Grambusch: „Ich kann da wirklich nur für mich persönlich sprechen, aber Druck von außen ist mir nicht so wichtig. Mein Ziel ist es in jedem Turnier das Bestmögliche rauszuholen und wenn man in einer so starken Mannschaft wie den HONAMAS spielt, dann ist es oftmals verbunden mit einer Medaille. Das ist mein Anspruch und auch mein Druck, den ich mir selbst auferlege. Was dabei von draußen kommt ist mir relativ egal.“

Und wie ist es mit dem Quali-Druck? Nur der neue Europameister qualifiziert sich direkt für Olympia in Tokio 2020!
Mats Grambusch (lacht wieder): „Natürlich würde ich es großartig finden, Europameister zu werden und gar keine Olympia-Qualifikation spielen zu müssen. Jedoch haben wir in der Mannschaft noch kein klares Ziel formuliert. Deshalb kann ich hier leider auch noch kein Mannschaftsziel für die EM angeben.“

Wie gefährlich sind Stimmen, die sagen, in der EM-Vorrunde mit den Niederlanden, Schottland und Irland sei Platz zwei kein riesiges Problem?
Mats Grambusch: „Dann kann ich nur darauf verweisen, dass die Schotten gerade Spanien geschlagen haben, mit denen wir in der Pro League unsere Probleme hatten. Und gegen Irland haben wir bei Olympia in Rio auch nur knapp gewonnen, bei der EM davor sogar nur Remis gespielt. Wer nicht erkennt, wie knapp das auch in der europäischen Spitze gerade ist, kennt sich offenbar nicht gut aus. Trotzdem ist es aber unser klarer Anspruch, diese Nationen zu schlagen – es ist nur lange nicht mehr so einfach, wie das vielleicht vor zehn Jahren noch war.“

Woran liegt es, dass es im internationalen Hockey kaum noch einfache Siege gibt?
Mats Grambusch: „Weil inzwischen alle Teams ihre Defensiv-Techniken und -taktiken extrem perfektioniert haben. Nur die Top Drei in der Welt spielen noch überwiegend Full-Press. Alle anderen stellen die Defensive in den Fokus und agieren eher destruktiv.“

Woran mangelt es denn noch in Eurem Spiel?
Mats Grambusch: „An der Effektivität im eigenen und im gegnerischen Viertel – womit nicht gemeint ist, dass unsere Mannschaftsteile dort daran schuld sind, sondern dass wir als Gesamtkonstrukt dort die Effizienz vermissen lassen. Wir haben in den Partien oft gut angefangen, dann durch fehlerhaftes Umschaltspiel schnell ein, zwei Gegentore bekommen und sind damit nicht gut umgegangen. Das ist ein klarer Punkt, an dem wir arbeiten. Wir müssen uns selbst früher belohnen mit einem Tor und müssen hinten weniger anfällig sein.“

Dafür drücken wir die Daumen! Nun warst Du selbst schon 2013 beim letzten EM-Sieg dabei, der ebenfalls in Belgien passierte. Ein gutes Omen?
Mats Grambusch: „Ich bin da nicht so abergläubisch. Nur weil es wieder Belgien ist, bringt uns das noch nicht weiter. Aber ich freue mich auf diese EM, weil solche Turniere etwas ganz Besonderes sind, wenn sie in Holland, Belgien oder Deutschland stattfinden. Das wird ein cooles Event und ein riesen Hockeyfest, was sie da auf die Beine stellen.“

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