Diskussionsthema 2. BundesligaInterview mit DHB-Vizepräsident Henning Fastrich zur Empfehlung des Saisonabbruchs

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Diskussionsthema 2. Bundesliga

Interview mit DHB-Vizepräsident Henning Fastrich zur Empfehlung des Saisonabbruchs

07.05.2021 - Die Empfehlung der Task-Force Bundesliga, den Spielbetrieb in der 2. Bundesliga abzubrechen, hat ganz unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Viele begrüßten die Entscheidung, aber es gab auch kritische Stimmen. Hockey-.de-Chefredakteur Christoph Plass hat im Interview bei Henning Fastrich, DHB-Vizepräsident Bundesliga, zur Situation in der 2. Bundesliga nachgefragt.

Henning Fastrich, wir stehen kurz vor den Final Fours in Mannheim, aber in den letzten Tagen wurde auch viel über die Nachricht diskutiert, dass die Task-Force Bundesliga den Gremien des Deutschen Hockey-Bundes vorschlägt, den Spielbetrieb der 2. Bundesliga abzusagen und eine Wertung vorzunehmen. Was ist eigentlich diese Task-Force?

Henning Fastrich: „Die Task-Force Bundesliga ist ein vom Präsidium eingesetzter Ausschuss, der im Zuge der Corona-Pandemie im letzten Jahr gegründet wurde, um den DHB bei Belangen rund um den Spielbetrieb der 1. und 2. Bundesliga zu unterstützen. Dieses Gremium hat in den vergangenen Wochen und Monaten sehr intensiv getagt und viele Argumente aus beiden Ligen diskutiert und meist einstimmige Vorschläge an die Gremien des Deutschen Hockey-Bundes formuliert. Aus dem DHB-Präsidium sind in diesem Ausschuss dabei: Marie-Theres Gnauert, die Vizepräsidentin Leistungssport, Dr. Christian Deckenbrock, Vizepräsident Recht, ich als Vizepräsident Bundesliga, zudem Dr. Christoph Menke-Salz als DHB-Vorstand und Sportdirektor, Bernd Schuckmann als Vorsitzender des Sportausschusses und DHB-Bundesliga- und -Hygienebeauftragter. Aus der Bundesliga gehören die beiden Sprecher der BLVV Hanns-Peter Windfeder und Horst Müller-Wieland dazu, vom Hockeyliga e.V. sind es dessen Präsident Dirk Wellen sowie die Vizepräsidenten Dr. Joachim Krotz und Ralf Stähler und für die Landesverbände Dr. Michael Timm, der Vorsitzende des Bundesausschusses. Wie man sieht, eine breit angelegte Gruppe aus allen Bereichen der Ligen und aus allen Himmelsrichtungen.“

Und was genau führte jetzt zu dieser Abbruchempfehlung für die 2. Liga?

Henning Fastrich: „Wir haben in den letzten Monaten alle zusammen, das heißt Vereine, Verbände, Kommunen, Betreuer, Spieler und Hygienebeauftragte hart daran gearbeitet ‚Hockeyspielen möglich zu machen‘. Dies ist uns mit einem sehr guten Hygienekonzept und immens großem Aufwand in den Vereinen gut gelungen und gipfelt nun in dem Final Four am kommenden Wochenende in Mannheim. Bernd Schuckmann und allen Hygienebeauftragten der Vereine gilt hier unser besonderes Lob. In der 2. Liga haben wir auch um das Thema ‚Hockeyspielen möglich zu machen‘ gekämpft. Wir sind auch der Überzeugung, dass Sport an der frischen Luft nicht der Treiber von Infektionen ist und daher erlaubt sein sollte und spüren hier auch die Unterstützung vieler Vereine. Leider hat uns die Politik in den einzelnen Ländern durch verschieden interpretierte Auslegung der Verordnungen einen Strich durch Rechnung gemacht. Neben dieser Entwicklung sehen wir aber leider auch persönliche und nicht neutrale Interessen mancher Vereine, die unsere Arbeit sehr belastet haben. Nichtsdestotrotz haben wir in der Task-Force eine einstimmige Entscheidung getroffen, die man in drei Punkten zusammenfassen kann: Erstens ist mit Blick auf verschiedene regionale behördliche Anordnungen zum Trainings- und Spielbetrieb, vor allem in Berlin, aber auch in anderen Kommunen, kein sportlich fairer Wettbewerb möglich und auch nicht zu erwarten. Zweitens besteht ein zunehmend großer Zweifel an der rechtlichen und gesellschaftlichen Begründung, die 2. Liga wie Profisport zu behandeln. Und drittens besteht eine massive Veränderung in der Bereitschaft – auch Angst – bei Spielern, Trainern, Betreuern und Offiziellen der Vereine in der 2. Bundesliga, in der aktuellen Pandemielage weiter spielen zu wollen. So haben sich in manchen Play-Down- oder Play-Off-Gruppen beispielweise vier von fünf Mannschaften gegen eine Saisonfortführung ausgesprochen.

Ihr habt empfohlen, die Saison in den 2. Bundesligen abzusagen und habt zur Wertung der Saison den Gremien im DHB einen Vorschlag unterbreitet. Wie kann man den zusammenfassen?

Henning Fastrich: „Das ist richtig. Mir ist aber auch wichtig zu betonen, dass uns in der Task-Force diese Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Aus unserer Sicht liegen aber klare Fakten auf dem Tisch, die ich gerne kurz mit drei Argumenten begründen möchte: Wir sind glücklich, trotz der Pandemie die Saison in der 1. Liga mit Unterstützung der Vereine nahezu wie geplant und ohne nennenswerte Vorfälle durchgeführt zu haben, und wir freuen uns auf das kommende Wochenende, wo dann hoffentlich auch ohne besondere Vorkommnisse die Saison mit der Krönung der Deutschen Meister und der Ermittlung der weiteren EHL-Teilnehmer abgeschlossen werden kann. Für den Aufstieg aus der 2. in die 1. Liga haben viele Vereine einen großen Aufwand betrieben und sich somit auch ein Recht auf einen möglichen Aufstieg erarbeitet. Aus Gründen der Vergleichbarkeit haben wir empfohlen, nur die Spiele aus der Hin- und Rückrunde (18 Spieltage) zu werten. Dies ist die sportlich fairste Möglichkeit einer Wertung, da es sich hier um eine vollständig geschlossene Runde handelt, in der jede Mannschaft jeweils gegen dieselben Gegner einmal ein Heim- und ein Auswärtsspiel bestritten hat. Bei der Bewertung der Abstiegsfrage sind wir allerdings auf besondere Herausforderungen gestoßen, da durch die Absage der Liga auch Nachholspiele aus dem Jahr 2020 – etwa in der 2. Liga Süd – nicht mehr gespielt werden können. Hier können wir eine Wertung nach 18 Saisonspielen nicht vornehmen. Darüber hinaus ist unklar, ob sich in allen Regionalligen am Ende Aufsteiger für die 2. Liga ermitteln lassen, da auch in den Regionalligen ein Spielabbruch im Raume steht oder bereits vollzogen wurde, etwa in den Regionalligen West und Ost. Zum Ende der Saison 2021/2022 werden die Gruppen der 2. Liga wieder auf jeweils zehn Mannschaften zurückgeführt. Dies wird durch einen erhöhten Abstieg, wenn die Gruppe aus mehr als zehn Mannschaften bestehen sollte, beziehungsweise einen reduzierten Abstieg, wenn die Gruppe aus weniger als zehn Mannschaften bestehen sollte, sichergestellt werden. Einzelheiten hierzu werden bekanntgegeben, sobald feststeht, ob und wie viele Mannschaften aus den Regionalligen aufsteigen werden. Diese Entscheidung möchten wir in die Hände der zuständigen Regionalverbände legen.

Noch ist der Abbruch aber nicht endgültig?

Henning Fastrich: „Mit der Mitteilung des Sportausschusses vom 30. April sind die Vereine informiert worden, dass die anstehenden Spiele der 2. Liga ausgesetzt werden. Dies bedeutet zunächst nur, dass jetzt keine Spiele so ausgetragen werden, wie sie geplant wurden. Wir haben unsere Empfehlung auf Abbruch gemäß den Statuten des DHB dem Spielordnungsausschuss übersandt. Zunächst wird in dieser Frage am 17. Mai der Bundesrat angehört werden, der Spielordnungsausschuss wird dann auf seiner Sitzung am 18. Mai über die Vorschläge der Task-Force beraten und eine endgültige Entscheidung treffen.“

Hast Du als ehemaliger Leistungssportler Verständnis, dass einige die Empfehlung kritisieren?

Henning Fastrich: „Klar, ich verstehe alle Spieler und Trainer, die bereits viel Aufwand für einen möglichen Re-Start investiert haben. Wir alle sind uns darüber im Klaren, dass wir es mit unseren Empfehlungen nicht allen Beteiligten recht machen konnten. Nach Abwägung aller Fakten und unter Einbeziehung der Meinungen vieler Fachleute haben wir, und davon bin ich überzeugt, die sportlich fairste Lösung gefunden.“

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