Danas-Bronze: Das Team dahinterWir stellen hier auch das "Team hinter dem Team" bei den DHB-Damen vor

1.BL: Gleich vier Mal 2:2-RemisHerren: Beide Spitzenreiter mit nur einem Zähler / Damen: MHC mit Schlussecke zum 1:0-Sieg

Penalty-Sieg der HONAMASFIH Hockey Pro League 2020/21, Düsseldorf, Herren, Spiel 1: Deutschland–Belgien 2:1 (1:1; 1:0)

Danas-Kampagne im MagazinDeutsche Sporthilfe berichtet in der Titelstory "Mehr als ein Athlet" über #SportgegenRassismus

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Danas-Bronze: Das Team dahinter

Wir stellen hier auch das "Team hinter dem Team" bei den DHB-Damen vor

Erfolge bei Olympischen Spielen, wie die Gewinne der Bronzemedaillen unserer Damen und Herren jetzt in Rio, rücken die Sportler, die teilweise Jahre in die Vorbereitung auf diesen Höhepunkt investiert haben, völlig zu Recht in den Fokus der Aufmerksamkeit. Aber gerade in Teamsportarten wie dem Hockeysport wären diese Erfolge gar nicht denkbar, ohne ein großes Team mit ganz viel Fachkompetenz, das im Hintergrund unermüdlich für die Mannschaft arbeitet. Das „Team hinter dem Team“ der Honamas haben wir bereits vorgestellt. Jetzt folgt das der Danas.

Bundestrainer Jamilon Mülders (oben l.) ist ein akribischer Mensch und ein fast besessener „über den Tellerrand Gucker“. Dabei hat der 40-jährige Perfektionist durchaus gelernt, Dinge anderen zu überlassen, zu delegieren. Dafür umgibt er sich mit Spezialisten, denen er vertraut. Nur einem überlässt er nichts – dem Zufall. Wenn es ein Schräubchen gibt, an dem es sich zu drehen lohnt, um die Situation seiner Mannschaft zu verbessern, dann dreht der Familienvater, der mit Frau und Kindern vor den Toren Berlins lebt, auch daran. So hat Mülders für die Danas sein eigenes Set-up geschaffen, mit dem er Rio in Angriff genommen hat. Und das hat sich bekanntlich gelohnt. Herausgekommen ist die beste Platzierung auf Weltniveau seit zwölf Jahren – was in Leistungssportdimensionen mindestens zwei Generationen sind. Und auch an sich selbst arbeitet der Weltmeister von 2002 stetig, und das ohne Schonung. Harte Kritik seiner Mitstreiter im Sinne der Leistungsoptimierung war ein wichtiges Credo für den Entwicklungsprozess Richtung Olympia – zum Teil schmerzhaft, wie er zugibt, aber enorm effizient.

Nach der mit Platz acht misslungenen WM 2014 stieg André Henning (oben 2.v.l.) ins Team von Mülders ein. Der Cheftrainer von RW Köln arbeitete mit dem Bundestrainer und Kollege Andreas Höppner intensiv an der inhaltlichen, strategischen Ausrichtung der Mannschaft. Vor allem die mentale Wettkampfstabilität war das Thema des erst 32-Jährigen. Er habe „immens wertvolle Impulse“ ins Team gegeben. Während Mülders von der Bank aus coachte, war Henning meist von der Tribüne aus zu hören. Und in den Pausenansprachen wechselten sich beide ab. Das Team lobte öffentlich die Motivationsansprachen Hennings, nach denen zum Beispiel im Bronzespiel gegen Neuseeland in der Halbzeit der Schalter umgelegt wurde. Die Vorträge im Team zum Thema Leadership und Management wären fraglos auch für Wirtschaftsunternehmen spannend.

Das biologische Alter macht Andreas Höppner (oben 2.v.r.)zum Senior des Staffteams der Damen. Der 55-Jährige habe dem Team ganz entscheidend vorgelebt, was es heißt akribisch zu arbeiten, sagt Mülders. „Höppi“, der schon seit zwölf Jahren in unterschiedlichen Funktionen beim DHB Nationalteams mitbetreut, hat die Strafecken der Danas verbessert und sich mit dem Torschussverhalten der Stürmerinnen auseinandergesetzt. Besonders aber sind die Videoanalysen des Mannheimer Trainers. Mit analytischen Auge wurde jeder Gegner seziert. Mülders ist den beiden Clubs von Henning und Höppner extrem dankbar, dass beide trotz Vollstelle sich dem Projekt Rio so intensiv verschreiben durften und dafür eine extrem hohe Doppelbelastung gefahren sind.

Von einer unfassbaren Managerin spricht Mülders, wenn er Julia Walter (oben r.) beschreibt. Die 35-jährige Wahl-Berlinerin hat in den letzten eineinhalb Jahren als Hauptamtlerin das Geschehen rund ums Team organisiert, hat sämtliche Lehrgänge mit Büdgetverantwortung geplant, Reisen gebucht und in drei Sprachen, die sie spricht, Verpflegung und Transport vor Ort organisiert. „Ohne sie wäre die Vorbereitung auf Rio nicht derart optimal ausgefallen“, so der Bundestrainer. Dabei war die 35-Jährige gleichzeitig der ruhende Pol fürs Team und die Ansprechpartnerin für Turnieroffizielle – immer lösungs-, nie problemorientiert. Da ihre Stelle beim DHB projektgefördert war, sucht Walter ab 1. September einen neuen Job – auch wenn Mülders hofft, dass sie irgendwie der Danas-Struktur doch erhalten bleibt.

Teamarzt der Danas in Rio war Dr. Boris Mandryka (unten r.). Der Assistenzarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Murnau gehört wie Carsten Raible zum Netzwerk um den ehemaligen Nationalspieler Björn Michel, mit dem Mülders seit knapp zwei Jahren zusammenarbeitet. Mandryka ist selbst ehemaliger Leichtathlet, hat dadurch eine hohe Affinität zum Leistungssport. In Rio sorgte der 32-Jährige nicht nur dafür, dass leichtere Verletzungen wie die von Nike Lorenz oder Charlotte Stapenhorst exzellent gemanagt wurden, sondern stand auch jeden Tag mit an der Behandlungsliege quasi als zweiter Physio des Teams.

„Dass wir ohne muskuläre Verletzung durch dieses Turnier mit acht Spielen in 13 Tagen gekommen sind, ist der Arbeit von Boris und Alex zu verdanken“, so Mülders. Physio Alexander Schumm (unten l.) stellte in seiner Praxis in Ilvesheim sogar einen Mitarbeiter ein, um die Danas auf ihrem Weg zu Bronze begleiten zu können. Die Arbeitsbelastung in Rio wird dann deutlich, wenn man weiß, dass im Regenerationskonzept für jede Spielerin jeden Tag eine Behandlung auf dem Plan stand – wenn nicht Therapie, dann Pflege. Schumm ist auch Ansprechpartner für Spielerinnen und Vereine zwischen den Lehrgängen, pflegt auch noch gute Kontakte zu ehemaligen Aktiven.

Der gute physisch gute Zustand der Mannschaft ist aber auch Tillmann Bockhorst (unten 2.v.l.) zu verdanken, der auf halber Stelle beim DHB angestellt den gesamten weiblichen Bereich der Nationalteams betreut und dabei die wichtige Schnittstelle zu den ebenfalls für die Athleten so wichtigen Athletiktrainern an den Olympiastützpunkten besetzt hat. Dass die Mannschaft athletisch inzwischen tatsächlich mit den Besten der Welt mithält, hat man gesehen. Zudem ist Bockhorst ein grandioser Motivator. „Generell haben Staff, Ärzte und Physios großen Einfluss auf das Auftreten des Teams gehabt, weil sie es dem Team vorleben“, betont Mülders. „Drecksbaustelle“ nennt der Bundestrainer die Arbeit an der Physis und gesundheitlichen Verfassung des Teams – wegen der nahezu ununterbrochenen Arbeit, die dafür nötig ist.

Als Doppel-Arbeiter in Rio war Jimi Lewis (unten 2.v.r.) unterwegs, und das, ohne selbst für das olympischen Dorf akkreditiert gewesen zu sein. Der langjährige Herren-Coach des Großflottbeker THGC ist seit diesem Jahr hauptamtlicher Torwarttrainer des Deutschen Hockey-Bundes. Wenn man bedenkt, dass mit Nico Jacobi und Kristina Reynolds die beiden Keeper entscheidenden Anteil an den Bronzemedaillen-Gewinnen hatten, kann man seine Arbeit gar nicht hoch genug bewerten. Dabei hat der ehemalige britische Nationalspieler eine extrem coole Art, die bei den Teams immer für eine extra Portion Lockerheit sorgt.

Lukas Fieber (nicht im Foto) fuhr als Analyst mit nach Rio. Der gelernte Umweltphysiker aus Mannheim, der für das Mülders-Team mit dem Belgier Wim Steenkiste zusammenarbeitet, hat sich in eineinhalb Jahren zu einem der besten Analysten im Welthockey entwickelt. „Er und Wim entwickeln im Hintergrund für uns Workflows, die immens helfen“, so der Bundestrainer. Das „Mega-Brain“ Fieber (O-Ton Mülders) hat den Danas eine riesige Ecken- und Penalty-Datenbank aller möglichen anderen Teams beschert. „Er hat gegnerische Ecken gelesen und anschließend mit Jimi und den Keeperinnen die Eckenverteidigung mit erarbeitet“, erzählt der Coach

Es gibt aber auch bei den Damen viele Staffmitglieder, die aufgrund der limitierten Akkreditierungen nicht mit in Rio vor Ort waren. So hat Matthew Hetherington das Team oft als weiterer Co-Trainer begleitet oder in anderer Form für das Team gearbeitet, unter anderem während der Champions Trophy alle späteren Gegner gesichtet und analysiert. Dr. Wolfgang Klöckner, Sportwissenschaftler aus Konstanz, war ein wichtiger Beobachter und Begleiter, der entscheidende Impulse in Mannschaft und Staff gab und das Team systemisch auf ein deutlich höheres Level geführt hat. Eva Striegl hat die Danas in der gesamten Vorbereitung als zweite Physiotherapeutin begleitet. Ab und an waren auch Julia Boie und Mira Wieland als Physios mit dabei.
Sportwissenschaftlerin Barbara Plaza hat die Danas als Yoga-Trainerin auf ganz vielen Lehrgängen betreut. Stefan Mücke und Falk Schade begleiteten das Team als Leistungsdiagnostiker. Petra Platen war als zuständige Verbandsärztin für alle sportmedizinischen Fragen Ansprechpartnerin. Zudem half das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft (IAT) in Leipzig unter Federführung von Dr. Francisco Jose Vizcaya Perez dabei, im Rahmen eines aktuellen Projekts die Strafecke zu optimieren.

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