"Tokio hat höchste Priorität!"Interview mit dem neuen DHB-Sportdirektor Christoph Menke Salz

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"Tokio hat höchste Priorität!"

Interview mit dem neuen DHB-Sportdirektor Christoph Menke Salz

07.01.2021 - Wer sich mit Christoph Menke-Salz unterhält, merkt schnell, dass für den 35-Jährigen mit dem Jobantritt als Sportdirektor beim Deutschen Hockey-Bund ein tiefer Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Der gebürtige Gladbacher brennt auch acht Jahre nach seiner Leistungssportkarriere, die ihn in 113 Länderspielen mit den Honamas rund um die Welt geführt hat, für seinen Sport. Deshalb hat der Vize-Weltmeister von 2010 auch seinen erfolgreichen Job bei der Kölner Messe aufgegeben, um im Olympiajahr 2021 beim DHB die eine sehr ambitionierte Aufgabe zu übernehmen. Hockey.de hat an seinem ersten Arbeitstag in der Geschäftsstelle mit ihm gesprochen.

Christoph, wie fühlt sich die Rückkehr in die Hockeyfamilie denn gerade an?
Menke-Salz: „Ich habe in den letzten Wochen so viel tollen Zuspruch bekommen, verknüpfe mit Hockey ohnehin so viele positive Erlebnisse, dass ich jetzt hier zum ersten Mal an meinem Schreibtisch mit Blick auf den Hockeypark sitze und mich direkt wohlfühle.“

Wie bist Du denn aufgenommen worden?
Menke-Salz: „Sehr freundlich, aber im Moment ist die Situation hier Corona bedingt ja noch so, dass wir hier in zwei Gruppen total abgeschottet voneinander sind und zudem viele Kolleginnen und Kollegen auch im Homeoffice arbeiten. Insofern grüßen die meisten Kontakte noch aus der Ferne – oder durch die Glasscheibe im Flur, die unsere Gebäudebereiche trennt (lacht). Lediglich Heiko von Glahn hatte ich vorher schon bei ein paar Meetings persönlich getroffen“

Die meisten kennst Du aber vermutlich noch nicht, oder?
Menke-Salz: „Tatsächlich kenne ich die, die schon lange beim DHB arbeiten, wie Wibke Weisel, Maren Boyé oder Hans Vehrenberg. Aber ich habe in den letzten Tagen aus dem Homeoffice schon ganz viele Video-Calls geführt. Mir ist ganz wichtig, früh loszulegen und damit anzufangen, Vertrauen aufzubauen und in die Zusammenarbeit einzusteigen.“

Verglichen mit Deiner aktiven Zeit als Spieler hat sich der Job des Sportdirektors aber ganz schön verändert, oder? Durch die Leistungssportreform hast Du ein viel größeres Team an Mitarbeitern, für die Du verantwortlich bist – und die wenigsten sitzen in der Geschäftsstelle...
Menke-Salz: „Das stimmt, da hat sich eine Menge getan. Ich habe aber auch mit den Bundesstützpunktleitern und -trainern an den verschiedenen Standorten und den angestellten Mitgliedern der Nationalmannschaftsstaffs schon Kontakt aufgenommen. Das klappt auch aus der Ferne super und mir ist der enge Austausch wichtig.“

Es gibt da ja ein paar lustige Aspekte. Markus Weise war früher als Bundestrainer Dein „Chef“, heute ist er Dir als Bundesstützpunktleiter untergeordnet...
Menke-Salz: „Das stimmt, und wir haben da schon unsere Späße drüber gemacht. Aber Markus war nie ein autoritärer Chef für uns Spieler, sondern hat das mit einer sehr intelligenten Teamführung gelöst. Davon habe ich mir durchaus einiges abgeguckt, und kann ihn daher nun mit seinen eigenen Waffen schlagen (er lacht). Ich lege generell keinen Wert auf autoritäre Vorgehensweisen. Letztlich sind viele Entscheidungen zwar meine Verantwortung, aber die werden wir im Team immer so entwickeln, dass ich sie mit gutem Gefühl treffen kann.“

Wie gut kanntest Du die beiden Olympiakader-Bundestrainer denn schon?
Menke-Salz: „Ich hatte beide nicht selbst als Trainer, aber Kais al Saadi kenne ich schon lange, habe als Aktiver gegen seine Teams gespielt und mich schon damals häufig mit ihm unterhalten. Das war immer auf Augenhöhe, was ich sehr geschätzt habe. Xavier Reckinger kenne ich zwar nicht so gut, aber wir haben als U21-Nationalspieler häufig gegeneinander gespielt. Ich habe bei beiden Teams ein gutes Gefühl in Hinblick auf Tokio. Beide Besetzungen sind absolut top.“

Aber die Teamentwicklung Richtung Olympia ist sehr schwer durch die Pandemie, oder?
Menke-Salz: „Die ist aktuell schwer und war es auch im letzten Jahr. Kais konnte bei den Herren noch kaum daran arbeiten, weil nahezu alles ausgefallen ist. Bei den Damen ist die Situation etwas anders, weil die eine kontinuierliche Entwicklung hinter sich haben und als Team schon sehr weit sind. Auch wenn wir da durch die Pandemie nicht alles in unserer Hand haben, werden wir mit unserer hockey-typischen Flexibilität und Improvisationstalent noch an vielen kleinen Stellschrauben drehen können.“

Hat Tokio in Deiner Agenda die allerhöchste Priorität?
Menke-Salz: „Aktuell auf jeden Fall und das bis zum Schlusspfiff des letzten Spiels dort, weil wir daran gemessen werden und weil davon unser Selbstverständnis als erfolgreichste olympische Ballsportart abhängt. Dort erfolgreich zu sein, ist durch die Pandemie fraglos ein viel größeres zu drehendes Rad. Aber wir werden im Team alles tun, damit es funktioniert.“

Im Herren-Team spielen mit Tobias Hauke, Martin Häner und Martin Zwicker noch einige, mit denen Du als Aktiver schon auf dem Platz gestanden hat. Fühlt sich das komisch an?
Menke-Salz: „Ein bisschen schon, denn dadurch komme ich mir plötzlich nochmal so jung vor (lacht). Im Ernst: ich bin total froh, dass die Drei noch dabei sind. Ich erinnere mich sehr gerne an die WM 2010 in Indien, als wir mit einem Team im Neuaufbau gleich performen mussten. Die Drei sind sehr intelligente Spielertypen, an denen sich andere aufrichten können. Das war da schon wahnsinnig wichtig für unsere Mannschaft. Damals kam Florian Fuchs als Youngster gerade erst dazu, von dem wir aber alle ahnten, dass er uns mit seinen Fähigkeiten direkt weiterbringen würde – und so kam es dann ja auch. Das mag teilweise auch daran gelegen haben, dass Flocke von Anfang an mit offenen Armen empfangen wurde und vollkommen befreit aufspielen konnte. Heute haben wir mehrere so junge Top-Talente, auf die ich viel Hoffnung setze.“

Verrätst Du uns noch ein paar Top-Prioritäten, die Du Dir gesetzt hast?
Menke-Salz: „Na klar! Olympia wird sehr einnehmend sein, aber deswegen bleiben andere wichtige Themen nicht liegen. In 2021 finden auch die Weltmeisterschaften der U21- und die EM der U18-Teams statt. Außerdem möchte ich meine Erfahrungen in der Digitalisierung der Koelnmesse gern beim DHB mit einbringen. Das nationale Hockey-Trainingszentrum in Mönchengladbach ist ein wichtiges Prestigeprojekt, das wir voranbringen möchten. Und ich möchte mit dem gesamten Leistungssportteam unsere Philosophie weiterentwickeln, damit wir auch in Zukunft erfolgreich sein können. Nicht zuletzt gehört auch die gesunde Zusammenarbeit mit der Bundesliga dazu, die ich in den Professionalisierungsbestrebungen unterstützen möchte.“

Das klingt nach sehr vollen Arbeitstagen, für die man auch zuhause die Unterstützung braucht...
Menke-Salz: „Meine Frau Viktoria ist selbst Sportlerin und hat mit den Damen von Rot-Weiss Köln Bundesliga und Europapokal gespielt. Sie selbst ist eine sehr ambitionierte Medizinerin und hat mich in dem Entschluss, zum DHB zu gehen, von Anfang an unterstützt, weil sie auch weiß, dass man im Leben nicht oft die Chance bekommt, dass man persönliche Leidenschaft mit beruflicher Laufbahn verknüpfen kann.“

Aber für Euch ändert sich in Kürze noch mehr, richtig?
Menke-Salz: „Das stimmt. In wenigen Tagen wird unser erstes Kind, ein Sohn, zur Welt kommen. Ich warte quasi jede Minute auf den Anruf.“

Dann wünschen wir dafür schon mal alles Gute! 

(Das Gespräch mit Christoph Menke führte hockey.de-Chefredakteur Christoph Plass)

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