Vereinsleben in der PandemieSerie über kreative, spannende Vereins-Initiativen im Lockdown / Folge sechs: Hockey United Werne

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Vereinsleben in der Pandemie

Serie über kreative, spannende Vereins-Initiativen im Lockdown / Folge sechs: Hockey United Werne

08.03.2021 - Während die Corona-Pandemie bereits ein Jahr andauert, musste der aktive Hockeysport in verschiedenen Phasen ruhen oder konnte nur mit Einschränkungen ausgeübt werden. Für viele Vereine eine schwierige Situation, den Bedürfnissen ihrer Mitglieder gerecht zu werden, beziehungsweise überhaupt mit ihnen in Kontakt zu bleiben. Doch die Kreativität kannte und kennt in den Clubs keine Grenzen. Wir stellen in unserer Serie „Vereinsleben in der Pandemie“ einige Club-Projekte vor.

Folge 6: Hockey United Werne

Gerade konnte Hockey United Werne seinen bisher größten sportlichen Erfolg in der noch jungen Vereinsgeschichte feiern, da mussten die Herren um den weiterhin aktiven 1. Vorsitzenden André Wagner ihre Hockeyschläger auch schon wieder einpacken: Als das Team vor genau einem Jahr, am 8. März 2020, mit zwei Siegen in eigener Halle den Aufstieg in die 3. Verbandsliga Westfalen – und damit den ersten Aufstieg überhaupt – klarmacht, ahnten kaum jemand, dass es bis zum Auftakt in der neuen Liga noch deutlich länger dauern würde, als gewöhnlich. „Seit einem Jahr stehen wir als Mannschaft nun nicht mehr auf dem Spielfeld“, bedauert Wagner die aktuelle Lage. Aufgrund fehlender Platzkapazitäten kann das Team theoretisch momentan nur in der Halle trainieren.

In den mittlerweile drei Jahren seit Gründung hat Hockey United Werne seinen Ruf als vorbildlicher Integrationsverein gefestigt. Aus der Flüchtlingsarbeit heraus entstand im April 2018 die Idee, Geflüchteten zunächst ein sportliches Angebot zu machen. Keine drei Monate später mündete der Wunsch, auch am Spielbetrieb des Westdeutschen Hockey-Verbands (WHV) teilzunehmen, in der Vereinsgründung: So hoben dann elf Männer aus Syrien, Guinea, dem Irak und Deutschland im Juli 2018 den „Hockey United Werne e. V.“ aus der Taufe. Doch der Club blieb seiner gesellschaftlichen Verantwortung treu: „Außersportliche Integrationsangebote sind in unserer Satzung festgeschrieben“, stellt André Wagner klar und führt weiter aus: „Sie helfen dabei, dass sich unsere ausländischen Mitglieder in unserem Verein und in Werne zu Hause fühlen und nicht nur als Gäste.“ So steht im Hockeyclub nicht nur geselliges Miteinander auf dem Programm, sondern auch Deutsch-Nachhilfe, Sprachkurse für die Spieler, Hausaufgabenbetreuung für die Kinder der Aktiven sowie Unterstützung bei Alltagsfragen. Ein bereits mehrfach ausgezeichnetes Engagement – und logisch, dass der Deutsche Hockey-Bund immer wieder mit Hockey United Werne als Best-Practice-Beispiel in Sachen Integration wirbt.

Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 brach folglich nicht nur die sportliche Wettbewerbsgrundlage weg, auch das wichtige Drumherum drohte dem Kontaktverbot zum Opfer zu fallen. Doch in der Deutsch-Nachhilfe schaltete Lehrerin Semira Khakban, die selbst Hockey im 40 km entfernten Dortmund spielt, spontan auf die Online-Video-Variante um: „Alle waren froh, auch in dieser Zeit weiter an ihren Deutschfähigkeiten arbeiten zu können“, so die Pädagogin.

Eine Kindermannschaft steht in den Startlöchern

Seit Anfang 2020 fanden sich auch die ersten Kinder von Aktiven und deren Freund*innen in einer Mannschaft zusammenfanden – inzwischen fast 20 Fünf- bis Zwölfjährige aus vier Nationen. So wuchs Hockey United weiter. Lockdown-bedingt konnte das Team bisher jedoch erst ein einziges Mal bei einem Wettkampf gemeinsam auf dem Platz stehen. Verständlich, dass André Wagner und seine Clubkollegen in dieser Zeit besonders die Kinder in den Blick nahmen: Hockey United beteiligte sich an Sommerferienprogrammen und nutze erste Lockerungen im Sommer zum Teambuilding im Maximilianpark Hamm. „Ohne Hockey wurde es schwierig, mit den Kids in Kontakt zu bleiben“, erkannte Wagner damals.

Den Höhepunkt gabs für die Hockey-United-Kinder dann zum Sommerferienende: Bereits zuvor hatten kreative Clubmitglieder einen Song des Kinderliedermachers Reinhard Horn ein wenig auf Hockey United angepasst – und so die Vereinshymne „One Heart And One Goal – Hockey United“ geschaffen. „Aus Spaß haben wir dann mal bei Horn nachgefragt“, berichtet Wagner von der Idee, mit dem Künstler zusammen einen Song aufzunehmen, „und er war bereit. Nur eine professionelle Aufnahme war ihm wichtig.“ Also ging es Ende August für sieben United-Kids ins Tonstudio von Reinhard Horn. „Mit dem Zug nach Lippstadt, drei Stunden Tonstudio – das war schon spannend für die Kinder“, so Wagner. Drei Wochen später war die Vereinshymne fertig (Zum Video mit Making-of auf Youtube).

Trotz Corona lebt Hockey United Integration weiter

Hockey United blieb auch darüber hinaus dem Integrationsgedanken treu: „Ich hatte im März von einem Hockeyspieler aus Ghana gelesen, der sich Hockeyschläger aus Holz selber schnitzt“, berichtet André Wagner. „Den habe ich dann über Facebook angeschrieben. Mittlerweile schreiben wir uns fast täglich und mir kam die Idee, mal ein Hockeypaket nach Ghana zu schicken.“ So startete Hockey United gemeinsam mit Maren Boyé und Sébastien Wörndle aus der DHB-Sportentwicklung und dem Dortmunder Hockeyhof ein Afrika-Projekt, in dessen Folge im Spätsommer 2020 insgesamt rund 80 Schläger, Pullover, T-Shirts etc. an den Partnerclub in Ghana gingen, um dort beim Hockeytraining in einer Schule eingesetzt zu werden.

Ein Integrationsangebot musste André Wagner dann doch 2020 gezwungenermaßen absagen: „Durch das DOSB-Projekt ‚Willkommen im Sport‘ und den DHB sollte eigentlich ein Schnuppertraining für geflüchtete Frauen stattfinden. Das war unser Herzensprojekt. Es musste genauso ausfallen wie der praktische Teil unseres Hockey-Scout-Lehrgangs.“ Der Vorsitzende plante um und nutzte die zeitgebundenen Fördergelder spontan für die Produktion eines Erklärfilms über die noch junge Vereinsgeschichte (Zum Video auf Youtube). Damit können DHB und Hockey United nun überregional und lokal für die Integrationsidee im Hockey werben. „Wir müssen die Kinder ja nicht an den Fußball verlieren, wir können sie ja auch für Hockey gewinnen“, betont Wagner und ergänzt: „Den Plan einer Damen-Mannschaft werden wir dann hoffentlich im Mai endlich umsetzen können.“ (ao; Fotos: Hockey United Werne)

Zur ersten Folge: 1. Hanauer HTC
Zur zweiten Folge: HLC RW München
Zur dritten Folge: Düsseldorfer SC 1899

Zur vierten Folge: Rahlstedter HTC (Hamburg)
Zur fünften Folge: Club zur Vahr (Bremen)

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