Rio: Christian Blasch, die Vierte!Der deutsche Olympia-Schiedsrichter hat am Samstag sein erstes Match geleitet

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Rio: Christian Blasch, die Vierte!

Der deutsche Olympia-Schiedsrichter hat am Samstag sein erstes Match geleitet

Am Samstag hat Christian Blasch sein Auftaktmatch bei der vierten Olympia-Teilnahme geleitet - mit Australien gegen Neuseeland ein packendes (2:1) und das ewige Duell der beiden Ozeanien-Kontrahenten. Aus der Ruhe bringen lässt sich der routinierte Schiedsrichter aus Mülheim davon nicht, aber auch nach den Erfahrungen in Athen 2004, Peking 2008 und London 2012 sind Olympische Spiele für ihn längst keine Routine.

"Ich kann durch die Vorerfahrungen viele Dinge besser einschätzen, aber Olympia ist im Hockey einfach etwas ganz Besonderes! Du kannst die Spiele hier nicht einmal mit EMs oder WMs vergleichen. Die Bedeutung jedes einzelnen Spiels ist ungleich größer. Da ist mehr Druck!" Seit letzten Dienstag ist Christian Blasch, wie die anderen Unparteiischen und viele technische Funktionäre, in Rio. Viel Zeit ist seitdem für die ganzen Briefings und Besprechungen draufgegangen. Zeit, sich die Metropole etwas anzuschauen, gab es noch nicht. Und das wird auch im Turnierverlauf nicht so einfach. Die Schiedsrichter sind in einem kleinen, neu errichteten Accomodation Village in Deodoro, draußen im Norden von Rio, wo auch die beiden Hockeystadien sind, untergebracht. Die Verkehrssituation macht jeden Ausflug in die City zu einer Tagesreise. das mussten die Umpires erfahren, als sie zur Einkleidung nach Rio gebracht wurden, was zu einer achtstündigen Exkursion wurde.
Ansonsten ist Blasch aber sehr zufrieden mit der Unterbringung. Er ist Teil einer sehr internationalen WG. In seinem Appartement wohnen noch ein Singapurianer und ein Kollege aus Gibraltar. "Wir verstehen uns super", so der mit knapp zwei Metern Größte im Schiedsrichterfeld von Rio. "Gut ist, dass wir alle ein eigenes Schlafzimmer haben und so etwas Privatsphäre. In meinem Alter weiß man es zu schätzen, wenn man nicht - wie früher oft - im Doppelzimmer mit einem Kollegen schlafen muss!" Sein Alter - inzwischen 41 Jahre - gibt Christian Blasch theoretisch noch die Möglichkeit, auch in Tokio 2020 noch zu pfeifen. Denn 47 Jahre ist das Alter, in dem internationale Schiedsrichter ihre Karriere beenden müssen. Doch das kann sich der zweifache Vater zurzeit nicht vorstellen. "Der Aufwand ist schon enorm. Und wenn man 25 bis 27 seiner 30 Urlaubstage im Jahr immer für Hockey draufgibt, dann ist das auch nicht ewig machbar. Immerhin habe ich Familie und stehe voll im Beruf!"
Aber solange es noch Spaß macht, wird Blasch weiter pfeifen. Mit der vierten Olympia-Teilnahme sofort Schluss zu machen, gehört nicht zu seinem Plan. Oft war seine Frau Susanne mit von der Partie, wenn Christian Blasch international im Einsatz war. Für Rio gab es - auch den beiden noch kleinen Kindern geschuldet - die Vernunftsentscheidung, dass die Familie dieses Mal zuhause geblieben ist. "Rio ist ja kein so ganz sicheres Pflaster. Und ich hätte dann auch nicht die Ruhe, wenn ich wüsste, dass meine Frau mit den Kindern da allein unterwegs ist", erklärt Christian Blasch. Dafür sieht er seine deutsche Schiedsrichterkollegin Michelle Meister, die in Rio ihr Olympia-Debüt gibt (bzw. gestern schon beim überraschenden 2:1 der US-Amerikanerinnen über Argentinien gab) häufiger als die Kolleginnen bei den bisherigen Olympischen Spielen. Das liegt an der Spielplan-Umstellung, wodurch Männer und Frauen nicht ganze Tage im Wechsel spielen. "Man sieht sich im Appartementbereich oder beim Frühstück immer mal wieder und tauscht sich auch aus über das Turnier!"
Der deutsche Vorzeige-Schiedsrichter ist allerdings ja nicht nur Umpire in Rio, sondern auch Mitglied im Rules Board des Weltverbandes. Man habe sich bemüht, ein, zwei Jahre vor Rio die gravierenden Regeländerungen durchzuführen, damit hier mit gelernten Regeln gespielt wird. Allerdings gibt es für jedes Weltturnier auch eine Linie, die sich die Schiedsrichter vor Turnierstart zurechtlegen und die mit den Coaches der beteiligten Teams im Vorfeld auch kommuniziert wird. "Wir werden die Reklamiererei und dabei speziell die Rudelbildungen, die dabei immer wieder entstehen, nicht unsanktioniert lassen", erklärt Christian Blasch. "Wir wurden dadurch dazu gezwungen, uns laufend mit den Spielern zu befassen, was zu vielen Unterbrechungen geführt hat. Das wird eingeschränkt. Wenn noch ein Dritter zu solch einer Diskussion dazustürmt, wird das mit einer individuellen Strafe geahndet werden. Das ist bei den Coaches und Spielern aber auch sehr gut angenommen worden. Wir geben eigentliche alle Power-Point-Präsentationen, die wir zu diesen Themen haben, im Vorfeld immer an alle Teams raus, damit alle auf dem aktuellen Stand sind. Diese Transparenz ist ganz wichtig!"

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